Verlag Neues Leben

Aus Karl-May-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Winnetou I, 1983
Comic

Der Verlag Neues Leben ist ein Verlag, der zu den bedeutendsten Verlagen der DDR zählte. Nach 1990 passte sich der Verlag den neuen Wirtschaftsbedingungen an. Seit 2004 gehört er zur Eulenspiegel-Verlagsgruppe.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte des Verlages

Nachdem am 17. Juni 1946 die Sowjetische Militärverwaltung in Deutschland die Genehmigung erteilte, wurde der Verlag am 2. September 1946 in Berlin gegründet. Er nahm zunächst seinen Sitz in der Kronenstraße 30/31 und in der Markgrafenstraße. Am 12. Februar 1947 kam die erste Ausgabe der Zeitung Junge Welt heraus, es folgten die Zeitschriften Junge Generation und Neues Leben. Der Verlag Neues Leben übergab dem 1950 gegründeten Verlag Junge Welt 10 Zeitungen und Zeitschriften sowie die Buchproduktion für den Jugendverband FDJ. Seitdem widmete er sich zeitweilig ausschließlich der Buchproduktion. 1970 zog er in die Behrenstraße 40/41, 1991 in die Rosenthaler Straße 36. Zu den Verlagsdirektoren zählten von 1966 bis 1975 der vormalige Minister für Kultur der DDR, Hans Bentzien und ab 1975 bis zu einem Tode Anfang 2000 Rudolf Chowanetz. Im Frühjahr 2000 übernahm Andreas Henselmann die Verlagsleitung. 2004 wurde der Verlag von der Eulenspiegel Verlagsgruppe übernommen.

[Bearbeiten] Der Verlag Neues Leben und Karl May

1983 erschienen die ersten Bände einer Karl-May-Edition, die trotz einer Auflage von anfangs 250.000 Exemplaren je Band[1] sofort ausverkauft war. Die Titelvignetten stammten von Peter Nagengast und (ab Band 8) von Jörn Hennig.

In der DDR wurden die May-Texte bearbeitet und mit Nachworten von Gerhard Henniger versehen. Darin führte er u.a. die frühere Überarbeitung des Winnetou I-Bandes im Sinne der faschistischen Rassenideologie an. Die ideologische DDR-Bearbeitung sah dann so aus, dass z.B. aus der "rote(n) Nation" der "rote Mann" wurde. Und aus dem Beinahe-"Ende des herrlichen nordamerikanischen Herbstes" wurde ein "nordamerikanischer Indianersommer", der "fast vorüber" war. Und Klekih-petras Wunsch, dass das deutsche Volk "doch nun endlich einmal ein einiges Volk werden wollte", sucht der Leser vergeblich.

Der letzte DDR-Band erschien 1990: Von Bagdad nach Stambul. Zwar wurde die Edition - dank des sehr engagierten Verlegers Rudolf Chowanetz - noch fortgesetzt und brachte es auf letztlich 66 (nicht nummerierte) Bände. Die Auflagenhöhe wurde allerdings immer kleiner. Die fünf letzten Bände erschienen nur noch in einer Auflage von 2.000 Exemplaren. Die beiden letzten angekündigten Bände (Der beiden Quitzows letzte Fahrten, Band 1 und 2) sind nicht mehr erschienen.

Als kleine Ergänzung erschien 1992 von Christian Heermann ein Band mit literarischen Reverenzen für Karl May: Old Shatterhand läßt grüßen. Und 1995 erschien Heft 1 einer Karl-May-Comicreihe, die leider kein Heft 2 erlebte.

Im Verlag Neues Leben erschien außerdem der Band Karl Mays Werke von Dr. Klaus Hoffmann, der sich mit der Bearbeitungspraxis (zumeist mit der des Karl-May-Verlages) auseinandersetzte. Der Vertrieb des Bandes wurde gerichtlich untersagt. Die wenigen erhaltenen Exemplare sind unter Sammlern sehr begehrt.

[Bearbeiten] Sonstiges

Die Neues Leben-Fassung der Kolportageromane diente u.a. Weltbild als Vorlage für deren Edition.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Während der Diskussion zur Premierenveranstaltung von "Die Elbindianer kommen!" (am 31. Oktober 2008) erfuhren die Besucher, dass offenbar 300.000 Exemplare von "Winnetou I" hergestellt worden waren, von denen 50.000 unter der Hand abgegeben wurden.... (Quelle: Hans-Dieter Steinmetz: Nicht nur in Dresden: Die Elbindianer kommen! In: Karl May in Leipzig Nr. 75, S. 10.

[Bearbeiten] Literatur

  • Jörg-Michael Bönisch (1991): Auflagenhöhe der Karl-May-Bände beim Verlag Neues Leben, Berlin. In: Karl May in Leipzig Heft 5.
  • Hans Buchwitz (1992): Mit Wut im Bauch geschrieben (zu der Textbearbeitung bei Winnetou I). In: Karl May in Leipzig Heft 11.
  • Klaus Hoffmann (2001): Karl Mays Werke. Berlin: Verlag Neues Leben.
  • Jörg Hoffmann (2009): "Old Surehand" und die "Höllenfahrt nach Santa Fé". Über die Motive für die Deckelbilder der Karl-May-Bände aus dem Verlag Neues Leben. In: KARL MAY & Co. Nr. 116.

[Bearbeiten] Weblinks