Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer
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[Bearbeiten] Verlagsgeschichte
1862 gründete Heinrich Gotthold Münchmeyer in Dresden eine eigene Verlagsbuchhandlung, die er mit seinem Bruder Fritz (= Friedrich Louis Münchmeyer [* 1829; † 1897]) führte.
Ostern 1874 zog der Verlag von der Ammonstr. 57 in den Jagdweg 14.[1]
In Berlin entstand 1875 eine Filiale des Münchmeyer-Verlags, die von Rudolf Jäger geleitet wurde (Ruppiner Straße 44). Zu dieser Zeit war Karl May gerade als Redakteur für Münchmeyer tätig.
Nach Münchmeyers Tod, 1892, verkaufte seine Witwe Pauline den Verlag 1899 samt allen Rechten an Adalbert Fischer.
[Bearbeiten] Adressen
Dresden[2]
- ?-1874: Ammonstraße 57
- Ostern 1874-1877: Jagdweg 14
- 1877-1893: Jagdweg 7
- 1893-1899: Jagdweg 15
- 1899-März 1900: Freiberger Straße 75
- 1900-Juni 1902: Jagdweg 13 (Eingang Freiberger Straße)
- Juni 1902 - Dezember 1907: Dresden-Niedersedlitz
- ab 1908: Dresden-Niedersedlitz. H. G. Münchmeyer G.m.b.H.
Berlin[3]
- ab 1875: Ruppiner Straße 44 (Vertreter ist Rudolf Jäger)
- ab 1877: zusätzlich Fehrbelliner Straße 19 a II
- ab 1878: statt Fehrbelliner Straße - Invalidenstraße 158 II
- ab 1879: statt Invalidenstraße - Bernauer Straße 74 I
- ab 1880: nur noch Ruppiner Straße 44
- ab 1884: Fehrbelliner Straße 86 I
- ab 1888: Fehrbelliner Straße 12
1892 erscheint die Adresse einer Filiale letztmalig im Adressbuch. Vermutlich wurde die Berliner Niederlassung nach dem Tod des Verlagsinhabers Heinrich Gotthold Münchmeyer (Anfang April 1892) geschlossen.
Hamburg[4]
Im März 1882 wird von einem Max Münchmeyer eine Buchhändler-Gewerbeerlaubnis auf den Namen Heinrich Gotthold Münchmeyer für Hamburg beantragt. Daraufhin wird in der Mühlenstraße 12 Parterre Gewerberaum angemietet.
- ab 1882: Mühlenstraße 12 und Ellernthorbrücke 2/II (Wohnraum?)
- ab 1884: nur noch Mühlenstraße 12
- ab Juli 1888: Mühlenstraße 12 (Inhaber Martin Hermann Dentler)
Die Firma erlosch 1904.
Dortmund[5]
Um 1877 existierte in Dortmund, Düppelstraße 6, eine "H. G. Münchmeyer'sche Colportage-Sortimentsbuchhandlung", die aber sehr schnell wieder aufgelöst wurde. Spätere Dortmunder Adressen beziehen sich auf einzelne Kolporteure.
Weitere Adressen
Weitere Adressen (Stettin, München, Danzig, Breslau und Wien) waren nachweislich keine Niederlassungen, sondern - vermutlich - die Anschriften freier Kolporteure, die für den Verlag arbeiteten.
New York[6]
Die oft erwähnte Niederlassung Münchmeyers (1885-1912; 33. First Street, New York), die von Alwin Eichler geführt wurde, lief unter dessen eigenem Namen.
[Bearbeiten] Karl May und der Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer
[Bearbeiten] Erster Kontakt (unbelegt)
Bereits 1869 gibt Karl May vor Gericht an, "für den Dresdner Buchhändler Münchmeier litterarische Arbeiten geliefert" zu haben. Die aus dieser Zeit stammenden Zeitschriften (oder sonstige Publikationen) sind aber nicht erhalten.
[Bearbeiten] Zweiter Kontakt (Redakteurs-Zeit)
Wie Karl May später berichtete, suchten ihn Heinrich Gotthold Münchmeyer und dessen Bruder Friedrich Louis ("Fritz") Münchmeyer Anfang März 1875 in Ernstthal auf und boten ihm eine Anstellung als Redakteur der Zeitschrift "Der Beobachter an der Elbe".[7] Sie boten May 600 [[Taler Jahresgehalt (mit Aussicht auf baldige Verdopplung). May nahm das Angebot an und reiste am 8. März nach Dresden. Da er allerdings noch unter Polizeiaufsicht stand, wurde er allerdings bereits am 15. März wieder ausgewiesen und musste die Arbeit zeitweise von Ernstthal aus ausüben. Im August darf May (nach Revision der Ausweisung) nach Dresden zurückkehren. Neben der redaktionellen Tätigkeit schrieb May für die verschiedenen Zeitschriften auch belletristische und belehrende Beiträge. Sämtliche von ihm betreuten und teilweise auch gegründeten Zeitschriften hatten aber kein langes Leben. Vermutlich im August 1875 unternahm May mit Probenummern der neuen Zeitschrift "Schacht und Hütte" eine Werbetour, um Abonnenten zu gewinnen. Angeblich führte die Reise auch in das Ruhrgebiet und nach Österreich, bisher nachgewiesen sind aber nur Chemnitz und Berlin. Die Angabe von 200.000 angeworbenen Neulesern darf angezweifelt werden.
Im September 1875 zog May in das Hinterhaus des Verlagsgebäudes (Jagdweg 14). Er beteiligte sich an der Neuauflage des umgearbeiteten "Venustempels", der den Hauptteil des neuen "Buchs der Liebe" bildete. Von May stammt die erste und die dritte "Abtheilung". Bereits im Februar 1876 fand eine Haussuchung im Verlag statt, die zwar dem (verbotenen) "Venustempel" galt, aber auch die Neufassung "Buch der Liebe" betraf. Die Presse berichtete darüber. Bei dem darauf folgenden Prozess – Oktober 1876 – wird May (schon in erster Instanz) frei gesprochen, da er an dem "Venustempel" nachweislich nicht beteiligt war.
Am 26. März 1876 wird Helene Ottilie Vogel geboren, deren Mutter, Marie Thekla Vogel, möglicherweise im Münchmeyer-Verlag arbeitete und Karl Mays Wohnung wartete.
Im Oktober 1876 kündigte May auf eigenen Wunsch seine Anstellung im Münchmeyer-Verlag, u.a. deshalb, weil er sich nicht familiär an die Verlegerfamilie binden wollte. Er hatte eine dreimonate Kündigungsfrist und verließ den Verlag zum Jahresende.
Heinrich Gotthold Münchmeyer stellte im September 1877 die von May gegründeten Zeitschriften "Deutsches Familienblatt" und "Feierstunden am häuslichen Heerde" ein und gründete dafür den "Deutschen Wanderer".
[Bearbeiten] Dritter Kontakt (Die Kolportage-Romane)
1882 kam es zu erneutem Kontakt zwischen Münchmeyer und May, wobei letzterer sich verpflichtete, dem - nach Mays Aussagen in großen Finanznöten befindlichen - Verleger mit einem Lieferungsroman beizuspringen.[8] Die - zu Mays späterem Schaden nur mündlich geschlossene - Abmachung lautete: Ein Roman von ca. 100 Heften à 24 Seiten. Für eine Auflage von bis zu 20.000 Exemplare sollte er 35 Mark pro Heft erhalten, danach sollten die Rechte wieder an ihn zurückfallen und er solle abschließend eine "feine Gratifikation" erhalten. Der Vorschuss betrug 500 Mark. Ab dem zweiten Roman erhöhte Münchmeyer das Honorar auf 50 Mark/Heft.[9]
Karl May begann trotz der 500 Mark Vorschuss aber erst nach erneuter Mahnung (über Emma) mit der Arbeit. Der Titel des ersten Romans "Waldröschen" war ein Vorschlag von Münchmeyer.
Es folgten "Die Liebe des Ulanen" (in einer Zeitschrift), "Deutsche Herzen - Deutsche Helden", "Der verlorne Sohn" und "Der Weg zum Glück".
1887 kam es zur erneuten Trennung.
siehe Münchmeyer-Romane
siehe Engelbrief
[Bearbeiten] Kontakt zur Witwe
1894 nahm Pauline Münchmeyer, die nach dem Tod ihres Mannes den Verlag weiterführte, Kontakt zu Karl May auf und bat ihn um einen weiteren Kolportageroman. May gab vor, über das Angebot nachzudenken, verlangte aber zuvor Auskunft und Abrechnung der bisherigen Romane.[10][11][12] May erhielt bei dieser Gelegenheit gebundene Belegexemplare der früheren Lieferungsromane. Zu einem Vertragsabschluss bzw. einem neuen Roman kam es nicht.
[Bearbeiten] Die Prozesse
In der Folge des Verkaufs an Adalbert Fischer kam es zu verschiedenen, heftig geführten gerichtlichen Auseinandersetzungen. Einerseits ging es um eine versäumte Rechnungslegung über Mays Honorare (gegen Pauline Münchmeyer), andererseits um die Frage des unberechtigten Nachdrucks sowie der Bearbeitung der Kolportageromane (gegen Adalbert Fischer).
siehe auch: Karl Mays Prozesse
[Bearbeiten] nach 1912
Erst nach Mays Tod (und auch u.a. dem Adalbert Fischers) wurden diese Verfahren durch Vergleiche beigelegt.
Im Münchmeyer-Verlag (bzw. der Nachfolgefirma "Vaterhaus-Verlags-Gesellschaft") erschienen dann - in Kooperation mit dem Karl-May-Verlag - auch Vorabdrucke der bearbeiteten Kolportageromane in der Zeitschrift "Das Vaterhaus".
[Bearbeiten] Zeitschriften, Bücher, Autoren
[Bearbeiten] Zeitschriften
- Fortuna. Erholung nach der Arbeit. Familien-Bibliothek zur Belehrung und Unterhaltung für Geist und Herz. (1862/63)
- Feierstunden am deutschen Herd. Unterhaltungen für Haus und Herz in Ernst und Scherz. (1865-1867)
- Der Beobachter an der Elbe. Unterhaltungsblätter für Jedermann. (1874/75)
- Schacht und Hütte. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Berg- Hütten- und Maschinenarbeiter. (1875/76)
- Deutsches Familienblatt. Wochenschrift für Geist und Gemüth zur Unterhaltung für Jedermann. (1875-1877)
- Feierstunden am häuslichen Heerde. Belletristisches Unterhaltungs-Blatt für alle Stände. (1876)
- Deutscher Wanderer. Illustrirte Unterhaltungs-Bibliothek für Familien aller Stände. (1877-1885 (?))
- Münchmeyer's Illustrirter Haus- und Familien-Kalender
[Bearbeiten] Autoren
Für eine Liste der Autoren, die für den Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer gearbeitet haben, siehe: Autoren des Münchmeyer-Verlags
[Bearbeiten] Sonstiges
- Das Buch der Liebe - (als Verleger zeichnete Friedrich Louis Münchmeyer)
- Erzgebirgische Dorfgeschichten (erschienen 1903 im eigens dafür von Adalbert Fischer gegründeten "Belletristischen Verlag")
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden für das Jahr 1874. Bearbeitet durch das Einwohneramt der Königlichen Polizeidirektion Dresden. Zwanzigste Ausgabe. I. Abth., I. Abschn., S. 243.
- ↑ Nachwort von G. Klußmeier im Waldröschen-Reprint aus der Edition Leipzig.
- ↑ H. Plaul im Sonderheft der KMG Nr. 31, S. 34 ff.
- ↑ G. Klußmeier im Sonderheft der KMG Nr. 31, S. 12 ff.
- ↑ G. Klußmeier im Sonderheft der KMG Nr. 31, S. 12 ff.
- ↑ G. Klußmeier im Sonderheft der KMG Nr. 31, S. 12 ff.
- ↑ K. May, "Ein Schundverlag", S. 280.
- ↑ K. May, "Mein Leben und Streben", S. 198.
- ↑ Karl-May-Chronik I.
- ↑ "Mein Leben und Streben", S. 240 f.
- ↑ "Ein Schundverlag", S. 360.
- ↑ K. May, "Frau Pollmer, eine psychologische Studie", S. 863-866.
[Bearbeiten] Literatur
- Karl May: Ein Schundverlag
- Karl May: Ein Schundverlag und seine Helfershelfer
- Karl May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie
- Hainer Plaul: Redakteur auf Zeit, Über Karl Mays Aufenthalt und Tätigkeit von Mai 1874 bis Dezember 1877. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1977
- Gerhard Klußmeier: H. G. Münchmeyer in Hamburg und anderswo. In: Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft Nr. 31/1981
- Euchar Albrecht Schmid / Roland Schmid: Geographische Predigten. Suche nach alten Texten. In: 75 Jahre Karl-May-Verlag, 1988 (kleine Verlagsgeschichte mit Augenmerk auf die Entwicklung nach 1912)
- Gerhard Klußmeier: Die Editionsgeschichte von Karl Mays "Waldröschen". Nachwort zum Waldröschen-Reprint aus der Edition Leipzig, 1989
- Albrecht Götz von Olenhusen: Karl May und das Urheber- und Verlagsrecht im 19. Jahrhundert - Der Münchmeyer-Prozeß. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG) Nr. 132 (2002)
- Andreas Graf: Kolportage bei Münchmeyer und anderswo (1). In: M-KMG Nr. 149 (III/2006) (Onlinefassung)
- Andreas Graf: Kolportage bei Münchmeyer und anderswo (2). In: M-KMG Nr. 150 (IV/2006) (Onlinefassung)