Schloss Osterstein

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Schloss Osterstein
Lithographie

Das Schloss Osterstein ist das ehemalige Stadtschloss von Zwickau. Es wurde als kurfürstliche Schlossanlage von 1587 bis 1590 erbaut und ab Ende des 18. Jahrhunderts als Gefängnis genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Anstalt

Zellenhaus
Ruine des Schlosses Osterstein (2005)

Im Jahre 1770 endete die Geschichte von Schloss Osterstein als landesherrliches Residenzschloss, denn in diesem Jahr wurde der Beschluss zum Umbau des Schlosses als Landesgefangenenanstalt gefasst. Mit Unterbrechungen wurde Schloss Osterstein bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Gefängnis genutzt.

Zu Karl Mays Zeit war Schloss Osterstein ein Arbeitshaus (eine Einrichtung zwischen Gefängnis und Zuchthaus). Das Ziel war die Resozialisierung der Insassen.

Teile der Anlage wurden abgerissen, die noch bestehenden Gebäude verfielen zusehends. Das Zellenhaus wurde abgerissen.

Am 3. November 2006 war die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Schlosses. Es wurde von der GP Schuppertbau GmbH saniert und zu einem Pflegeheim umgebaut. Insgesamt wurden West- und Ostflügel des Schlosses durch einen Neubau ersetzt und wo es möglich ist, erhaltenswerte und erhaltbare Teile integriert. Nord- und Südflügel konnten mit weitgehend im Original erhaltener Bausubstanz gerettet werden. Teile des Schlosses sollen später auch für die Gastronomie und museal genutzt werden. Am 9. September 2007 fand das Richtfest statt. Am 7. November 2008 erfolgte die Schlüsselübergabe an die Betreibergesellschaft Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH Zwickau. Die ersten Bewohner zogen am 11. November 2008 ein.[1]

Karl May in Schloss Osterstein

Karl May wurde am 14. Juni 1865 von Leipzig nach Zwickau gebracht und als Sträfling Nr. 171 in Schloss Osterstein registriert. Er soll dort seine Freiheitsstrafe von vier Jahren und einem Monat im Arbeitshaus absitzen.

Bei seiner Ankunft wurde er in die II. Disziplinarklasse eingestuft und kam zunächst in Kollektivhaft (in der Nacht wurden die Insassen allerdings – soweit räumlich möglich – isoliert). Er erhielt eine Aufgabe in der Schreibstube, die er aber noch nicht bewältigen konnte.[2] Daraufhin wurde er "Portefeuillearbeiter" und fertigte gemeinsam mit drei anderen Männern Geld- und Zigarrentaschen.

Neben der eigentlichen Arbeit gibt es für die Gefangenen die Möglichkeit, sich autodidaktisch in der Bibliothek (ca. 4.000 Bände mit u.a. belletristischen, historischen und populärwissenschaftlichen Texten) weiterzubilden oder Unterricht im Rechnen, Schreiben und Zeichnen zu bekommen.

1867 wurde May Mitglied des Gefängnis-Kirchenchors und Posaunenbläser; er arrangierte Musikstücke und wechselte in die oberste Disziplinarklasse. Hier entstand bei May der Wunsch, schriftstellerisch tätig zu werden: Entwürfe und Skizzen aus dieser Zeit wurden in seinem Nachlass gefunden.

1868 erhielt May eine (selbst gewünschte) Einzelzelle[3] und wurde "besonderer Schreiber"[4] des Gefängnisinspektors, dem er - nach eigenen Aussagen - bei dessen statistischen und literarischen Arbeiten über den Zwickauer Strafvollzug half:

Meine Aufgabe war, die statistischen Ziffern zu ermitteln, sie auf ihre Zuverlässigkeit zu untersuchen, sie zusammenzustellen, zu vergleichen und dann die Resultate aus ihnen zu ziehen.[5]

siehe auch:

Am 2. November 1868 wurde May auf Antrag des Direktors wegen guter Führung und "in Folge Allerhöchster Gnade" vorzeitig entlassen.

in dieser Zeit entstandene Werke

Sonstiges

Auch Max Dittrich war hier inhaftiert und erklärte 1905, May hier erstmals 1866 gesehen zu haben.

Anmerkungen

  1. Chemnitzer Morgenpost vom 11. Februar 2009.
  2. Karl May: Mein Leben und Streben, S. 126.
  3. Hainer Plaul datierte den Umzug Karl Mays in das Zellenhaus auf Ende 1867 oder Anfang 1868.
  4. Karl May: Mein Leben und Streben, S. 129.
  5. Karl May: Mein Leben und Streben. In: Karl Mays Werke, S. 70790 f. (vgl. KMW-VI.3, S. 129 f.).

Literatur

Weblinks