Leopold I. von Anhalt-Dessau
Aus Karl-May-Wiki
Leopold I. von Anhalt-Dessau (* 3. Juli 1676 in Dessau; † 9. April 1747 in Dessau) war souveräner Fürst des Kleinstaats Anhalt-Dessau und einer der populärsten preußischen Heerführer und Militärreformer. Er wurde zur Unterscheidung von seinen Söhnen, die ebenfalls preußische Generäle waren, "der alte Dessauer" genannt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Die historische Persönlichkeit
Schon von frühester Jugend an widmete er sich dem Militär, was sich auch in seiner Ausbildung widerspiegelte. 1693 wurde er Oberst eines preußischen Regiments und im selben Jahr durch den Tod seines Vaters Johann Georg II. auch Fürst von Anhalt-Dessau. Als Fürst Leopold I. unternahm er viele Reformen in den Bereichen Landwirtschaft, Steuern, Infrastruktur und Ansiedlung von Manufakturen.
Berühmt jedoch wurde er vor allem für seine militärischen Leistungen. Er führte in der preußischen Armee den Gleichschritt ein und auch um 1700 den eisernen Ladestock (bis dahin aus Holz). Er nahm als Heerführer der Preußischen Truppen am Spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) teil. Er zeichnete sich bei den Belagerungen von Kaiserswerth, Venlo und Bonnand sowie insbesondere unter Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht von Höchstädt 1704 aus. 1709 nahm er in Flandern mit Prinz Eugen und dem Herzog von Marlborough an der Belagerung Tournais und der Schlacht bei Malplaquet teil. 1712 wurde er Befehlshaber aller preußischen Truppen an der Front. Nachdem er die Festung von Mors genommen hatte, ohne dass ein Schuss gefallen war, wurde er auf Wunsch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der unter ihm gedient hatte, zu einem preußischen Generalfeldmarschall ernannt. Er wurde später ein enger Vertrauter des "Soldatenkönigs" und – obwohl Nichtraucher – Mitglied des Tabakskollegiums. Im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden 1715 eroberte er Rügen und Stralsund für Preußen. Im Krieg um die polnische Thronfolge (1733 bis 1735) wurde er sogar zum Feldmarschall des Reiches ernannt und kämpfte wiederum unter Eugen von Savoyen am Rhein gegen Frankreich.
Als Kronprinz Friedrich (später König Friedrich der Große) vor der harten, autoritären Erziehung seines Vaters floh und dann als Deserteur gefangen genommen wurde, war es Leopold, der den König überzeugte, Friedrich zu vergeben und ihn wieder in die preußische Armee aufzunehmen.
Unter Friedrich dem Großen nahm er am Ersten (1740 bis 1742) und Zweiten Schlesischen Krieg (1744/45) teil. Sein Sieg über Sachsen und Österreich in der Schlacht von Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 beendete den Krieg vorzeitig. Nach diesem Sieg zog sich Leopold ins Privatleben zurück und verbrachte den Rest seines Lebens in Dessau.
Leopold I. heiratete 1698 die bürgerliche Apothekertochter Anna Luise Föhse, seine Jugendliebe ("die Anneliese"), die drei Jahre später (1701) vom Kaiser zur Reichsfürstin erhoben und für ihre Kinder mit Sukzessionsrechten belehnt wurde. Sie agierte auch als Regentin, wenn ihr Mann auf Feldzügen war.
Nach seinem Tod blieb Leopold I. noch lange Zeit populär. Dass er eigentlich ein brutaler Despot gewesen war, wurde immer mehr zugunsten verklärender Legenden, die sich um ihn rankten, vergessen. Theodor Fontane verfasste ihm zu Ehren das Gedicht Der alte Dessauer.[1]
[Bearbeiten] Der "Alte Dessauer" bei Karl May
[Bearbeiten] Anhaltende Begeisterung des Dichters für den Fürsten
Karl May, der sich für den populären Fürsten sehr interessierte, machte ihn zum Helden zahlreicher anekdotenhafter Humoresken.
Bereits im Frühjahr 1875 fand Leopold I. in der Novelle Die Rose von Ernstthal Erwähnung. Im September gleichen Jahres erschien mit Ein Stücklein vom alten Dessauer die erste May-Erzählung, in deren Mittelpunkt der Fürst stand.
Im Sommer 1876 wurde in Dessau der 200. Geburtstag des Fürsten gefeiert. Vermutlich war Karl May zwei Wochen lang (zu Studienzwecken) anwesend, um in der Herzöglichen Hofkammer-Bibliothek über das Leben des Fürsten zu recherchieren.[2] Schon im September 1876 erschien die Erzählung Unter den Werbern, in die persönliche Eindrücke der Stadt einflossen.
Im April und Mai 1878 wurde unter dem Pseudonym Emma Pollmer die nächste Humoreske Die drei Feldmarschalls veröffentlicht. 1879 erschien im Spätsommer Der Pflaumendieb, eine erweiterte Fassung von Ein Stücklein. 1880 folgte Der Scheerenschleifer und 1881 Fürst und Leiermann. Von Oktober 1881 bis Februar 1882 erschien Ein Fürst-Marschall als Bäcker. Mit Der Amsenhändler und Pandur und Grenadier wurden 1883 die letzen beiden Dessauer-Humoresken Karl Mays veröffentlicht.
All diese Erzählungen erlebten zum Teil zahlreiche Nachdrucke, erschienen zu Mays Lebzeiten aber nie gesammelt in Buchform.
Die Absicht, in einer dreiaktigen Posse den Alten Dessauer auf die Bühne zu bringen, teilte Karl May am 16. Oktober 1892 seinem Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld mit. Über ein Ständchen, das sechs adelige Stifts-Fräuleins dem Dessauer bringen (eine Verballhornung des Volkslieds Ännchen von Tharau), ist dieses ächt deutsche, zwergfellerschütternde Stück (sic!) nicht hinausgekommen.[3]
Im Februar 1894 weilte Karl May mit Emma erneut in Dessau - sie wohnten im Hotel "Drei Kronen" am Großen Markt (heute Schlossplatz) - und May suchte nach neuem Material. Von Dessau aus schrieben beide ein Postkarte an Klara Plöhn, die aus Dessau stammte. Er besuchte da auch die Gruft mit dem Sarkophag von Fürst Leopold I. in der Schlosskirche St. Marien.[4]
Offenbar tauchte der Alte Dessauer (Freund Dessauer) auch als Geist bei einer spiritistischen Sitzung am 30. August 1897 in der Villa "Shatterhand" auf, bei der Karl May zugegen war. Laut einem heimlichen Protokoll eines der Teilnehmer sagte der Geist zu May:
- "Der liebe Gott ist groß [...] und Deine Liebe ebenfalls zu mir [...], so wie meine zu dir groß ist. Voll heiligsten Feuers entbrennt die geistige Liebe unter Euch und sie soll auch bei uns das höchste und heiligste Gefühl bilden; und so kommen wir in treuer Liebe zu Euch!"[5]
Ende April bis Anfang Mai 1898 führte eine weitere Studienreise Karl Mays nach Dessau und Umgebung. Er verschickte Karten an Klara Plöhn und Wilhelmine Beibler. In dem Zeitraum hatte der Herzog Friedrich I. von Anhalt-Dessau Geburtstag und obwohl Karl May Karten mit Hinweis auf den Geburtstag verschickte, ist nicht sicher, ob er tatsächlich an der Feier teilnahm.[6]
[Bearbeiten] Quellen
Karl Mays Quellen für die Dessauer-Erzählungen waren vor allem:
- Der Alte Dessauer. Ein deutsches Volksbuch. Leipzig 1844.
- Karl August Varnhagen von Ense: Biographische Denkmale. 3. Aufl. 1872.
- Franz Carion: Der alte Dessauer. Roman. 1876.
In seiner Bibliothek[7] finden sich außerdem:
- Friedrich Streißler: Der alte Dessauer. Stuttgart.
- L. Würdig: Des alten Dessauers Leben und Taten. Berlin.
- Wilhelm Herchenbach: Der alte Dessauer, Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. Erzählung.
- Friedrich Streißler/J. Hoffmann: Der alte Dessauer. Marschall Vorwärts. Zwei geschichtliche Erzählungen. Stuttgart.
[Bearbeiten] im Werk
Die Erzählungen sind in der Reihenfolge ihrer Erstveröffentlichung angeführt.
[Bearbeiten] Die Rose von Ernstthal
Fürst Leopold wird hier nur erwähnt. Der Rittmeister von Göbern ist
- "[...] Pathe (wohl 'Patenkind') und Liebling des alten Dessauers, hat bei ihm die Epauletten erhalten [...] und steht jetzt bei Ziethen."[8]
[Bearbeiten] Ein Stücklein vom Alten Dessauer
Im Auftrag der Bewohner des Dorfes Wahlsdorf kommt Schmidt, ein alter Kriegskamerad des Dessauers, dem der Fürst sein Leben zu verdanken hat, zu ihm und bittet um Hilfe für seinen Sohn Wilhelm, den der Amtmann Hiller rekrutieren lassen will, damit Hillers Sohn Eduard Wilhelms Geliebte, Annemarie, bekommen kann. Als Handwerksbursche verkleidet begibt sich der Fürst daraufhin nach Wahlsdorf.
- Er trug eine blauleinene Blouse, vielfach geflickte Hosen und eine alte, verschossene Soldatenmütze. Die Stiefel waren verschmutzt, und das Felleisen, welches er über den breiten Rücken geschnallt hatte, war so hochbetagt, daß es mehr Jahre zählte, als es Haare besaß.[9]
Im Garten des Amtsgutes pflückt Leopold I. Pflaumen und wird daraufhin vom Amtmann als Pflaumendieb verhaftet. Er soll in das als Gefängnis dienende Spritzenhaus eingesteckt werden, dreht aber den Spieß um und schließt Hiller und den Polizisten Jörge dort ein. Am Abend will Hiller im Wirtshaus Leopold erneut arretieren; dieser gibt sich jedoch zu erkennen und lässt Hiller wegen Misswirtschaft und Versteckens eines Deserteurs festnehmen. Er macht Wilhelm zum neuen Amtmann und ermöglicht dessen Verlobung mit Annemarie.
[Bearbeiten] Der Pflaumendieb
Leopold nimmt das Hausmädchen eines Predigers in seine Dienste. Bei einem Handgemenge mit einem angeblichen Gärtner, der aber der österreichische Oberleutnant Arthur von Hellbach ist, wird Leopold vom mit seiner Kutsche zufällig des Wegs kommenden Gesandten Baron von Wehlen legitimiert. Auf dem Dessauer Schloss stellt sich heraus, dass das angebliche Dienstmädchen die sächsische Grafentochter Emma von Glachau ist. Der ehemalige Feldwebel Franke bittet im Auftrag der Bewohner von Leinefeld um Schutz vor dem sein Amt missbrauchenden Amtmann Grunert, der sich von den Reichen bestechen lässt, deren Söhne bei der Rekrutierung auszunehmen. Leopold kommt verkleidet nach Leinefeld und beauftragt Grunert, 25 Rekruten auszuheben. Dann verkleidet der Fürst sich noch einmal:
- Nach Verlauf einer halben Stunde hinkte eine lange, tief vornübergebeugte Gestalt dem Dorfe zu. Auf dem Kopfe saß ein Filz, der weder Form noch Farbe hatte, über das rechte Auge zog sich eine breite, schwarze Binde; ein eisgrauer Schnurrbart senkte seine müden Spitzen zu beiden Seiten des Kinnes herab; eine alte, abgeschabte Uniform bedeckte den Körper, und an den Füßen schlappten ein Paar Schuhe, die man beinahe als Kähne benützen konnte.[10]
Als Leopold einige Pflaumen einsammelt, wird er von Grunert arretiert und zum Gefängnis transportiert. Er kehrt den Spieß jedoch um und schließt Grunert ein. Beim abendlichen Tanz in der Dorfschenke gibt sich Leopold zu erkennen, setzt Grunert ab und lässt ihn arretieren. Den Sohn Frankes, sein Patenkind, ernennt er zum neuen Amtmann und arrangiert dessen Verlobung mit Anna, der Nichte Grunerts. Schließlich rekrutiert er anstelle der von Grunert vorgeschlagenen Söhne der armen Dorfbewohner die Söhne der Reichen.
[Bearbeiten] Unter den Werbern
Der Dessauer ist 68 Jahre alt, trägt sich aber
- [...] so stramm und kräftig, als stehe er noch zwischen zwanzig und dreißig.[11]
Er trifft er auf einen vermeintlichen Reitknecht, den er zu seinem Leibknecht macht. In Wirklichkeit ist dieser Reitknecht der preußische Rittmeister Curt von Platen, der auf diese Weise Leopolds Zustimmung zur Heirat mit dessen Patenkind Marie von Naubitz in die Wege leiten will. Als Leopold von sächsischen Werbern erfährt, die im Hause des Bäckers Wolstraaten ihren Schlupfwinkel haben, macht er sich mit seinem neuen Knecht, verkleidet als Getreidehändler Habermann, dorthin auf den Weg. Aber Wolstraatens Haushälterin, Rosine Fransenhuber, schließt ihn im Keller ein. Durch den Korporal Fritz Nauheimer wird er befreit, zusammen mit von sächsischen Werbern gefangenen Rekruten. Die Werber können - unter Mitwirkung Platens - festgenommen werden. Mit von Platen als Adjutanten zieht Leopold auf Order des preußischen Königs Friedrich II. gegen Sachsen. Es handelt sich dabei um den letzten Feldzug des Dessauers.
[Bearbeiten] Die drei Feldmarschalls
Leopold ist über sechzig Jahre alt und besitzt äußerlich Ähnlichkeit sowohl mit dem ihm dienenden Leib- und Kammerhusaren Heinrich Balzer als auch mit dem Lenzener Gastwirt Fährmann.
- Die Anwesenden konnten nicht umhin, ihm ihre Aufmerksamkeit zu schenken, deren Grund in der überraschenden Aehnlichkeit lag, welche er mit dem Wirt hatte. Beide waren lang und hager, aber sehnig gebaut; beide hatten die Sechzig jedenfalls überschritten, trugen denselben dunklen Schnurrwichs und konnten infolge ihrer beiderseitigen Gesichtszüge leicht für Brüder gelten.[12]
Als Viehhändler verkleidet will der Dessauer die Werbemethoden des hannoverschen Majors von Zachwitz observieren. Zusammen mit Fährmann und Balzer gerät der Fürst in hannoversche Gefangenschaft. Wegen der Ähnlichkeit der drei Gefangenen weiß von Zachwitz zunächst nicht, welcher davon der Dessauer ist. Deshalb kann der preußische Wachtmeister Heinrich Bellheimer dem Dessauer zur Flucht verhelfen. Fährmann und sein Sohn werden für ihre Konspiration mit den Hannoveranern bestraft; Bellheimer zum Zeltmeister im Range eines Leutnants befördert. Darüber hinaus verhilft Leopold der Geliebten Bellheimers, Anna Hämmerlein, zu einer Unterkunft bei seiner Frau und sorgt für ihre Aussteuer.
[Bearbeiten] Der Scheerenschleifer
In Verkleidungen als Wilddieb, Bergamtmann und Scherenschleifer entdeckt und vereitelt Leopold eine Intrige des Herzogs von Sachsen-Merseburg, des Grafen Johann Georg III. von Mansfeld und des schwedischen Königs Karl XII. gegen Friedrich I., den preußischen König.
- "Also so schreiben die heiligen Apostel Matthäus, Markus, Lucius und Sankt Paulum? Solche sauberen Geschichten haben die Herren im Kopfe? Ueber den Leopold wollen sie herziehen? Kreuzmohrenelement, das soll ihnen versalzen werden! Ich werde zwischen ihnen hineinfahren wie damals die Sau unter die - oder vielmehrwie damals der Teufel unter die Säue der Gir- Gir- Gir- Girhegendorfer, oder wie die Leut hießen!"[13]
Er zwingt den Schwedenkönig zu einem Bündnis mit Preußen und zur ehrenvollen Verabschiedung Erich von Seeströms, des Verlobten der Majorstochter Anna von Boberfeld.
[Bearbeiten] Ein Fürst-Marschall als Bäcker
Der Dessauer gerät mit dem hannoverschen Oberleutnant Ernst von Hartegg aneinander, der um die Genehmigung einer Verbindung mit der Dessauer Adeligen Auguste von Liebau nachsucht. Der Fürst beleidigt den hannoverschen König, worauf von Hartegg den Dessauer zwingt, sich zu entschuldigen. Danach will Leopold mit dem Feldwebel Wilhelm Goldschmidt auf hannoverschem Gebiet ›lange Kerls‹ rekrutieren. Als Bäckergeselle verkleidet begibt Leopold sich nach Wustrow, wo er die drei Söhne des Bäckers Hillmann fangen möchte.
- Er mochte mindestens vierzig Jahre zählen, hatte einen gewaltigen Schnurrwichs und ein Paar kohlpechrabenschwarze Augen, die sicherlich auch mit grimmigen Blicken um sich werfen konnten. Sein gepudertes Haar war in einen faustdicken Zopf gebunden, welcher unter einem alten, breiten Fälbelhute perpendikelartig hin und her baumelte. Der Anzug war zwar alt, aber reinlich und ganz, auf dem Rücken saß ein wohlgefüllter Ranzen, und in der Rechten führte er einen Knotenstock, dessen Astschnitte mit kupfernen Nägeln beschlagen waren.[14]
Leopold und der für seine Grobheit bekannte Hillmann finden schnell Gefallen aneinander. Es kommt zu einem Trinkgelage, bei dem sich beide kräftig betrinken. Nach einer handfesten Schlägerei zwischen Leopold, Hillmann und dessen Söhnen wird der Fürst verhaftet und nach Dannenberg gebracht. Goldschmidt, der inkognito im Hannoverschen als Pflasterhändler unterwegs ist, holt Dessauer Soldaten zu Hilfe, befreit den Fürsten und nimmt dessen Begleiter gefangen. Goldschmidt berichtet dem Dessauer, dass Prinz Friedrich Ludwig von Hannover mit seinem Adjutanten Ernst von Hartegg auf dem Jahrmarkt im Dessauer Ort Lenzen Soldaten ausheben will. Leopold marschiert sofort mit seinen Soldaten dorthin und kann den Prinzen und seine Werber festnehmen. Er zwingt den Prinzen, von Hartegg ehrenvoll aus dem hannoverschen Dienst zu entlassen und nimmt diesen als Hauptmann in seinen Dienst. Auch Goldschmidt kommt mit Hilfe des Fürsten zu seiner Hannoveranerin Anna Grunert.
[Bearbeiten] Fürst und Leiermann
Leopold nimmt, als Leierkastenmann mit Holzbein verkleidet, hannoversche Werber auf seinem Gebiet fest, befreit den Schulmeister Brehmer und den Oberknecht Paul Schubert aus deren Händen und sorgt für Schuberts Heirat mit Emma Brehmer.
- "Hauptmann, hat Er vielleicht meine Anneliese (Anna Luise, die Gattin des Fürsten) einmal gesehen , als sie noch jung war?"
- "Nein, Durchlaucht!"
- "Da sehe Er sich das Mädchen da einmal recht genau an. So eine Ähnlichkeit ist mir fast noch gar nicht vorgekommen."[15]
[Bearbeiten] Der Amsenhändler
Leopold lässt einen Musikzug, der zum Probedirigieren eines neuen Kapellmeisters angetreten ist, arretieren, weil die Waldhornisten keine ›Pause‹ blasen können. Danach landet er einen Coup gegen hannoversche Werber unter Generalmajor von Valmy. Er nimmt den als Amsenhändler verkleideten hannoverschen Wachtmeister Horn fest und schlüpft selbst in diese Rolle. Bevor die fremden Werber mit Hilfe seines Vertrauten, Fritz Schubert, festgenommen werden können, wird der Fürst gefangen.
- "Horn?" fragte der General, schnell aufstehend und Leopold musternd. "Den Horn kenne ich ganz genau; das ist er nicht. Wer ist er, he?"
- Daran hatte der Fürst gar nicht gedacht, daß der General diesen Horn persönlich kennen könne.[16]
Mit Hilfe Anna Uhlmanns, der Braut Schuberts, kommt er wieder frei und sorgt für die Heirat der beiden.
[Bearbeiten] Pandur und Grenadier
Leopold I. ist 1742 als Feldmarschall unter Friedrich II. in Böhmen.
- »Seine kraftvolle, sehnige Gestalt war sehr einfach bekleidet. Er trug graubraune Gamaschen, einen ebensolchen Überrock und einen Dreispitz ohne Zierrat. Zwei dunkle, scharfblickende Augen und ein mächtiger Zwickelbart gaben seinem gebräunten Angesicht ein höchst martialisches Aussehen. Er mochte das sechzigste Lebensjahr bereits überschritten haben«.[17]
Auch der Pandurenoberst Franz von der Trenck, ein alter Widersacher des Fürsten, ist in Böhmen. Beide haben es darauf abgesehen, einander zu fangen. Trenck will Leopold durch einen falschen Boten zum Jahrmarkt nach Chotiborz locken, doch Leopold schöpft Verdacht und nimmt den Boten fest. Der Feldwebel Wilhelm Steinbach hat erfahren, dass Trenck in Studenetz Quartier bezogen hat. Als Müllergesellen verkleidet eilen Leopold und Steinbach dorthin. Im Wirtshaus kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den Panduren, dann zu einem Zweikampf des Fürsten mit dem Obristen in einem Mehlkasten. Vor den herbeieilenden preußischen Soldaten kann Trenck sich in Sicherheit bringen. Leopold wirbt dann für Steinbach um die Hand von Agnes Engelmann und schenkt dem Paar ein Pachtgut im Anhaltischen.
[Bearbeiten] Rezeption
Die Dessauer-Humoresken wurden auch ins Tschechische übersetzt.
Arno Schmidt zu den "Dessauer"-Geschichten und speziell zur Hauptperson: [...] von Sachkenntnis unbeschwerte ‹Historische Novellen›, meist vom ‹Alten Dessauer› – einer gekrönten Bestie in Menschengestalt, die aber in ihrer unwiderstehlich=volkstümlichen Brutalität mit allen SS=Größen wetteifern kann.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Onlinefassung bei zeno.org.
- ↑ Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 215.
- ↑ Der Brief ist abgedruckt im Karl-May-Jahrbuch 1918, S. 259 f., und in der Karl-May-Chronik I, S. 442.
- ↑ Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 472.
- ↑ Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 82 f.
- ↑ Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 136-145.
- ↑ Nach Franz Kandolf/Adalbert Stütz/Max Baumann: Karl Mays Bücherei. In: Karl-May-Jahrbuch 1931, S. 212-291.
- ↑ Karl May: Die Rose von Ernstthal. Deutsche Novellen-Flora, Verlag Hermann Oeser, Neusalza 1874, S. 173.
- ↑ Karl May: Ein Stücklein vom alten Dessauer. Deutsches Familienblatt, Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer, Dresden 1875, 1. Jg., S. 13.
- ↑ Karl May: Der Pflaumendieb. Deutsches Familienblatt, Nr. 1, S. 84.
- ↑ Karl May: Unter den Werbern. Deutsches Familienblatt, Zweiter Band, S. 12.
- ↑ Emma Pollmer (Pseudonym Karl Mays): Die drei Feldmarschalls. Bachem's Novellen-Sammlung, Verlag J. P. Bachem, Köln 1888, S. 102 f.
- ↑ Karl Hohenthal (Pseudonym Karl Mays): Die Scheerenschleifer. Für alle Welt!, Verlag Göltz & Rühling, Stuttgart 1880, Nr. 6, S. 90.
- ↑ Karl May: Ein Fürst-Marschall als Bäcker. Deutsche Gewerbeschau, Verlag Wilhelm Hoffmann, Dresden 1881/82, Nr. 9, S. 137.
- ↑ Karl May: Fürst und Leiermann. Großer Volks-Kalender des Lahrer Hinkenden Boten für das Jahr 1882, Verlag J. H. Geiger, Lahr 1881, S. 80.
- ↑ Karl May: Der Amsenhändler. Münchmeyer's Illustrirter Haus- und Familien-Kalender, Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden 1883, S. 38.
- ↑ Karl May: Pandur und Grenadier. Deutsche Gewerbeschau, 1883, Textbeispiel aus dem Karl-May-Jahrbuch 1919, S. 56. (Originaltextteil verschollen)
[Bearbeiten] Literatur
- Christoph F. Lorenz: Landesherr und Schmugglerfürst. Eine Rezensionsabhandlung zu den Erzählungen Karl Mays in der Zeitschrift "Für alle Welt" (= "All-Deutschland") in den Jahren 1879 und 1880. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1981, S. 360-374. (Onlinefassung)
- Gerhard Klußmeier: Karl May und der "Alte Dessauer". In: Unter den Werbern. Seltene Originaltexte Band 2. Reprint der Karl-May-Gesellschaft 1986, S. 7-10. (Onlinefassung)
- Christian Heermann: Karl May, der Alte Dessauer und eine 'alte Dessauerin'. Anhaltische Verlagsgesellschaft Dessau 1990.
- Helmut Schappach: Der alte Dessauer. Verschwundene oder weitergereichte Manuskripte? [über die Möglichkeit, dass May bereits vor seiner zweiten Haftzeit Texte über den Dessauer schrieb und diese von anderen Autoren verwertet wurden] In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG). Nr. 117/1998, S. 32–35. (Onlinefassung)
- Hans-Jürgen Düsing: Geschichten um Geschichte um den 'Alten Dessauer'. [zur Datierung der Handlungszeiten] In: M-KMG Nr. 152/2007, S. 18-33. (Onlinefassung)
Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie auch online auf den Seiten der KMG.